Vom Batzen zum Krug...

Vom Batzen zum getöpferten Krug sind mehrere Schritte notwendig. Natürlich sollte eine solche Arbeit nicht am Anfang der Dreherfahrung stehen. Es braucht Geschick, Technik und eine Portion Mut, um dem Ton den richtigen Dreh zu geben. Auch die Schnaupe und der Henkel sind eine kleine Wissenschaft für sich. Die nachstehende Anleitung soll Ihnen einen kleinen Einblick gewähren, wie unser Töpfermeister die Dinge in die Hand nimmt.

Wer diese Technik live genießen will, ist bei unseren Töpferkursen herzlich willkommen!

[1] Ton vorbereiten

In erster Linie kommt es auf die richtige Konsistenz des Tones an. Hier wurde ein Drehton verwendet. Er muss zuerst gut durchgeknetet werden und darf keine Lufteinschlüsse mehr aufweisen. Beim Anfänger sollte der Ton sehr weich sein. Dann wird er auf die Drehscheibe geworfen. Und nun kann es losgehen!

[2] Zentrieren

Das A und O eines guten Gefäßes ist das Zentrieren. Besonders als angehender Drehneuling kann man einen unwuchtigen Ton nicht mehr korrigieren. Also, lassen Sie sich Zeit für diesen wichtigen Schritt.

[3] Aufbrechen

Der Daumen bricht knapp ausserhalb des Zentrum den Ton auf. Hierbei soll man sich mit der anderen Hand eine Zentrierhilfe geben. Wichtig ist das gerade Eintauchen in den Ton.

[4] Ausweiten

Nun folgt das Ausweiten. Mit mehreren Finger einer Hand wird der Ton, der an der Aussenseiten mit der anderen Hand geführt wird, sanft nach aussen gedrückt. Wenn die gewünschte Größe der Bodenplatte erreicht ist, folgt der nächste Schritt.

[5] Erstes Hochziehen

Einer der schwierigsten Arbeitsschritte bei großen Werkstücken ist das konstante Hochziehen. Hier sind Fingerspitzengefühl und viel Übung notwendig, um den Ton beim ersten Hochziehen gleichmäßig zu drehen.

[6] Rand korrigieren

Sobald die Anfangshöhe erreicht ist, fasst Hansjörg den Ton an der Oberkante mit zwei Fingern zusammen, um ihm Stabilität zu geben.

[7] Zweites Hochziehen

Der Ton wird von der Grundfläche aus ein zweites Mal hochgezogen. Dabei drücken die gekrümmten Finger von Aussen und von Innen konstant gegen den Ton. Es bildet sich oberhalb der Finger ein Wulst, der mit viel Gefühl nach oben transportiert wird.

[8] Rand aussbilden

Damit der Ton seine Stabilität hält, wird auf der Oberkante des Kruges ein etwas dickerer Ring ausgebildet.

[9] Glätten

Jetzt wird mit beiden Handflächen das Gefäß geglättet. Durch diesen Arbeitsschritt erhält das Gefäß einen gleichmäßigen Durchmesser.

[10] Drittes Hochziehen

Ein letztes Mal wird der Ton auf die gewünschte Endhöhe hochgezogen und der Rand erneut ausgeformt.

[11] Ausweiten

Um dem Krug eine gefällige Form zu geben, kommt das Ausweiten zum Einsatz. Mit der inneren Hand wird ein verstärkter Druck nach Aussen ausgeübt. Die äussere Hand ist nur zur Stabilisierung da.

[12] Einschnüren

Das Gegenteil bewirkt die Methode des Einschnürens. Mit Zeigefinger und Daumen beider Hände übt man nun einen Druck in Richtung Zentrum aus. Der Ton neigt sich nach Innen und bildet einen Kragen. Der obere Teil wird noch etwas ausgeweitet, sodaß die Schnaupe des Kruges groß genug gemacht werden kann.

[13] Vorbereitung für das Abheben

Um das Gefäß leichter von der Bodenplatte heben zu können, macht der Profi noch eine Kerbe mit einer spitzen Holzspatel zwischen dem Boden des Werkstückes und der Platte der Töpferscheibe.

[14] Draht sei dank!

Befeuchten Sie die Scheibe mit Wasser. Nun wird bei langsamster Umdrehung ein Draht auf der Unterseite des Kruges durchgezogen. Somit löst sich der Ton von der Platte.

[15] Abheben

Der kritische Moment des Abhebens ist nun gekommen. Mit beiden Händen wird das schwere Werkstück vorsichtig von der Platte genommen und auf den Werktisch gestellt. Sieht bei Hansjörg ganz einfach aus, aber wer das schon öfters probiert hat weiss, dass es viel Übung braucht, um das Kunstwerk heil auf eine Abstellfläche zu bekommen.

[16] Schnaupe ausbilden

Gleich nach dem Drehen wird noch die Schnaupe ausgebildet. Von Aussen wird mit 2 Fingern und von Innen mit dem Daumen gedrückt, und damit ein Teil der Kante zu einer Schnaupe ausgeformt.

[17] Henkel

Der Krug ist nun fast fertig. Es fehlt nur mehr der Henkel. Dazu benötigen wir eine Batzen Ton. Er wird zuerst grob länglich geknetet. Dann hält man ihn mit einer Hand senkrecht und mit der anderen Hand wird der Ton "gemolken". Das heißt, dass wie beim Melken der Ton nach unten gezogen wird. Zwischendurch muss man die Hand immer wieder befeuchten. Hat man die Länge erreicht, wird der Strang am Krug befestigt.

[18] Henkel oben befestigen

Der Henkel wird genau gegenüber der Schnaupe befestigt, aber erst nach einer gewissen Trockenzeit, da sonst das Gebilde zu instabil ist. Der Tonstrang sollte am Ansatz dicker sein, damit er mit dem Krug besser verbunden werden kann. Zuerst andrücken und dann gut mit dem Werkstück vebinden.

[19] Henkel unten befestigen

Die gleiche Vorgehensweise des Verbindens wendet man auch beim unteren Teil des Henkels an. Achten Sie darauf, dass die Verlängerung des Henkels auf das Zentrum des Bodens zeigt. Ist der Bogen gleichmäßig? Ist der Henkel richtig montiert?

[20] Ein Prachtstück!

Zu guter Letzt wird noch einmal alles kontrolliert. Falls notwendig, werden noch einige Stellen verstrichen. Nun muß der Krug nur mehr getrocknet, geschrüht, glasiert und nochmals gebrannt werden und schon kann das lustige Ausschenken beginnen. Viel Spaß!
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